• David Strass

Ist der Bewerbungsprozess heute noch zeitgemäß?

Aktualisiert: 1. Aug. 2021

Der Blog-Artikel ist für Bewerber & Unternehmen


Zeiten ändern sich, Vorgehensweisen ändern sich. Die digitale Welle ist im Recruitingprozess langsam angekommen. Darüber hinaus ist festzustellen, dass ich in der Art der Bewerbung noch nie etwas verändert hat – außer in der Art der Übermittlung, vom Briefkasten zur Email.


Ist die Bewerbung noch zeitgemäß?


Ja & nein. Natürlich ist die derzeitige Art der Bewerbung eine weiterhin akzeptable Möglichkeit. Doch wie im Arbeitszeugnis ist akzeptabel nicht ausreichend. Doch wie so oft, warum nicht etwas verbessern, wenn sich für alle Beteiligten mehrere Vorteile ergeben?!

Der Bewerbungsprozess der letzten 20 Jahre hat sich nicht verändert. Es gibt nur leichte Veränderungen. Nicht aufzuhalten war die elektronische Bewerbung statt der postalischen Variante. Hinzukommend werden heutzutage Bewerbungsportale angeboten. Zeiten ändern sich und so haben wir heute den Fachkräftemangel, der sich noch weiter verstärken wird, ohne gleichzeitig ein dunkles Bild der Zukunft zeichnen zu wollen.


Bundesweit fehlen


2500 Bademeister 100.000 Pflegekräfte

35.000 Ingenieure

86.000 IT - Berufe

65.000 Handwerk

50.000 LKW-Fahrer


2025 sollen nach Schätzungen fast 3 Millionen Fachkräfte fehlen.


Es stellt sich für einige Unternehmen zukünftig stärker die Frage:


Welcher Bewerber, der nicht die klassischen Ausbildungsvoraussetzungen mitbringt, kann fachlich schnell angelernt werden? Welcher Bewerber ist in der Lage Informationen schnell aufzunehmen und zu lernen? Wer hat Spaß an der Arbeit und die intrinsische Motivation für die anstrengende Zeit?

BEWERBER - CHANCEN

Somit ergeben sich auch Chancen für Bewerber als Quereinsteiger. Es wird zukünftig noch mehr auf den persönlichen Skills geachtet. Wer lernbereit ist, sich in der Persönlichkeit auch bereit zu verändern ist und die Herausforderung sucht, wird zukünftig noch mehr Chancen bekommen.


Die Motivation muss allerdings auch richtig präsentiert werden, damit ein Unternehmer sich dafür entscheidet, den höheren Aufwand zu betreiben, eine ungelernte Kraft anzulernen. Hierfür haben wir eine nicht zeitgemäße Bewerbung. Denn, was sagt ein Anschreiben aus, wenn ein Großteil der Bewerber nicht wortgewandt ist und sich somit nicht in Szene setzen können?



Die Bewerbung von Heute


Muss ein Koch ein gutes Anschreiben schreiben können oder gut kochen? Diese Frage lässt sich auf 99% aller Berufe anwenden. Wie viel Aussagekraft hat dann ein Anschreiben?


Im digitalen Zeitalter gibt es sicher zielführendere Lösungen. Denn eines muss uns klar sein: Um eine Runde im Bewerbungsprozess weiterzukommen hängt aktuell nicht davon ab, wie gut ich etwas kann, sondern wie gut ich ein Anschreiben formulieren kann. Genau das müssen jedoch 99% aller Berufe nicht können. Bleibt dann noch der Lebenslauf zur Bewertung. Wie aussagekräftig ist dieser?


Aussagekräftiger als ein Anschreiben, jedoch auch nicht das einzigartige Mittel, um den besten Bewerber zu filtern. Ein Michelin Stern liest sich im Lebenslauf erstmal klar besser, wenn ein Koch sich in der namenhaften Hotellerie bewirbt. Sicher sind dann Erfahrungen aus dem Imbiss nicht besonders relevant. Doch bewegen wir uns mal in der Realität bei denen die Spanne der Vorqualifikation nicht so groß ist.


Jeder junge Fußballer mit Talent wird von Scouts umworben. Dabei hat er noch nicht die Champions-League gewonnen und wurde auch kein Weltmeister. Denn Scouts schauen auf das vorhandene Potential für die Zukunft. Zurück zur Bewerbung: Das kann kaum ein Anschreiben & kein Lebenslauf messen. Es bedarf die Kompetenz des Personaler und seine Intuition Menschen gut einschätzen zu können. Und die nötige Offenheit gegenüber nicht gelernten Talenten. Praxis schlägt in diesem Fall die Theorie, das Blatt Papier. Welches Potential hat der Mensch unabhängig von seiner Vorerfahrung, ist die Frage der Zukunft.


Es ist Zeit zum Umdenken – Weiterdenken – fortschrittlich Denken


In den letzten Jahren haben mittelständige und große Unternehmen Bewerbungsportale errichtet, die meist nicht schlank aufgebaut sind. Sie dienen dem Vorteil der Struktur und der Prozesse des Unternehmens. Laut Statistik sind die Bewerbungsportale von den Bewerbern jedoch unbeliebt. Davon abgesehen verfolgen Sie meistens nicht das wichtige Ziel, das Matching von Bewerber & Unternehmen zu verbessern. Mit den richtigen Fragen erhalten wir die richtigen Antworten, die uns zu einer Einschätzung befähigen.


Das echte Kennenlernen findet immer noch von Mensch zu Mensch statt. Vielleicht mag es später die künstliche Intelligenz übernehmen können. Doch so weit sind wir in der Praxis noch nicht.


Unternehmen müssen schneller in den Kontakt mit den Bewerbern kommen. Der sogenannte Pitch ist ein probates Mittel, welches adaptiert werden kann. Digitale, freundliche 15 Minuten Gespräche, die Bewerber auf Herz & Nieren prüfen. Oder auch ein praxisorientiertes Assessment. Ein Beispiel zutreffend auf eine Reihe von Berufen:


1. Übung: Kunden bedienen

2. Übung: Simuliertes Beschwerde-Gespräch mit einem Kunden

3. Übung: Mini-Vorstellungsgespräch

4. Gruppenübung (Wie können wir den Kunden noch mehr begeistern?)


Werden 6 potentielle Kandidaten eingeladen, sind zu zweit ein Zeiteinsatz von 3,5 Stunden für diesen Tag einzuplanen.


Es ist notwendig zukünftig neue Wege einzuschlagen. Aus 5 Gründen...


- Der Fachkräftemangel erfordert neu zu denken

- Die digitale Welle ist nicht aufzuhalten

- Nicht qualifiziertes Personal wird sich noch häufiger bewerben

- Bewerber sind in der Fülle der Stellenanzeigen nur kurz am Drücker

- Es geht grundsätzlich um das beste Matching - das ist zeitunabhängig


Am Puls der Zeit: Wie wäre es mit strukturierten & digitalen Erstgesprächen, die 15 Minuten andauern? Sie haben 50 Prozent mehr Bewerber gesehen und damit eine bessere Ersteinschätzung.


Es wird in der Zukunft darauf ankommen Altes hinter sich zu lassen und Neues zu starten - Angefangen beim Recruiting bis hin zum schlanken und effektiven Bewerbungsprozess.


Mit besten Grüßen


David Strass



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